Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel

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Inhalt: Die Kleine Schleuse

Gedenktafel an der seeseitigen Einfahrt der Kleinen Schleuse,
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Vorgeschichte

Schon während den Planungen zum Bau des heutigen Nord-Ostsee-Kanals wurde klar, um die Nord- und die Ostsee miteinander zu verbinden, werden Schleusen benötigt. Die Anforderungen sahen zunächst vor, mindestens auf der Westseite des Kanals ein Schleusenbauwerk zu errichten. Es war zunächst geplant, in Brunsbüttel eine große Kesselschleuse zu bauen, mit einer Kammerlänge von 180 m und einer Kammerbreite von 120 m. Für kleinere Fahrzeuge waren kleine Schleusen von 70 m Länge und 12 m Breite angedacht.
Während den weiteren Planungsarbeiten, entschied sich die verantwortliche Kanalkommision für den Bau von zwei Doppelschleusen an beiden Kanalenden. Durch den Verschluss des Kanals an beiden Seiten sollte erreicht werden, dass der Wasserstand in Kanal konstant gehalten bzw. reguliert werden konnte. Denn durch diese Variante war der Kanal im Westen gegen das regelmäßige Schwanken des Wasserstandes und gegen Sturmfluten geschützt und im Osten konnte starker Wind, der häufig das Ostseewasser in den Kieler Hafen drückte, dem Kanal nichts mehr anhaben.
Jede Schleusenkammer sollte eine Kammerlänge von 150 und eine Breite von 25 m haben. Mit diesen Maßen waren die Schleusenbauwerke zu dieser Zeit die größten Anlagen im Wasserbau. 

Beschreibung der geplanten Doppelschleuse

Das Schleusenbauwerk sollte aus zwei parallel angeordneten Schleusenkammern bestehen. Zum Verschließen der Kammern waren Stemmtore vorgesehen. Um auch bei erheblich unterschiedlichen Wasserständen die Schleusen noch betreiben zu können, sollten die Schleusenkammern auf beiden Seiten mit je 2 Ebbetoren und je 2 Fluttoren bestückt werden. Auf diese Weise wollte man erreichen, dass das Schleusen von Schiffen zu jeder Zeit möglich ist, egal auf welcher Seite der Wasserstand höher bzw. niedriger ist. Das Öffnen und Schließen der Stemmtore sollte mit Hilfe von Zahnstangen durchgeführt werden. Nach unten sollte das gesamte Bauwerk mit einer Betonsohle abgedichtet werden. Auf diese Weise sollte die Möglichkeit erreicht werden, die Schleusenkammern bei Bedarf auch trocken zu legen. Zu diesem Zweck wurden zwei Schwimmtore gebaut, die später an beiden Schleusenenden eingefahren werden konnten um die Kammer zu verschließen. 
Um die Schleusenkammern zu füllen bzw. zu leeren, sollten in den seitlichen Mauern große Umlaufkanäle integriert werden. Diese Umlaufkanäle konnten dann je nach Schleusungsrichtung verschlossen bzw. geöffnet werden um einen Ausgleich des Wasserstandes durchzuführen.

Baugrube
Maschineneinsatz

Obwohl die Entwürfe für die Schleusenbauwerke in Brunsbüttel und Kiel sich sehr ähnlich waren, fiel der Bau der Anlagen dann doch sehr unterschiedlich aus. Das lag zum einen daran, dass zum Schutz vor Sturmfluten, die Schleusen in Brunsbüttel höher gebaut wurde als in Kiel. Zum anderen konnte die Schleuse in Kiel komplett im Trocknen gebaut werden, was in Brunsbüttel nicht möglich war.
Hier in Kiel war es möglich, für den Bau der Schleusen, den Grundwasserspiegel auf ca. 8m unter den Ostseewasserstand zu senken. Erreicht hat man dies durch den Einsatz von Pumpbrunnen im Baustellenbereich. Durch diesen niedrigen Grundwasserspiegel war man in der Lage, die gesamte Baugrube auszuheben und alle erforderlichen Arbeiten im Trocknen auszuführen. Nachdem die Baugrube ausgehoben war, errichtete man um das gesamte Areal eine Spundwand. Anschließend wurde ein etwa 3,5m hohes Betonbett hergestellt, dass als Sohle für die Schleusen diente. Das Errichten der Mittelmauer sowie den Seitenmauern wurde dann vorwiegend mit Beton und zum Teil mit Ziegelsteinen durchgeführt.

Zum Schluss wurden dann die Schleusentore montiert. Die Fluttore sind so konstruiert worden dass sie im geschlossenen Zustand überquert werden können. Die Ebbetore hingegen konnten in Kiel deutlich niedriger gebaut werden und lassen sich daher nicht begehen. In der Mitte der Schleusenkammer wurde noch ein weiteres Stemmtorpaar eingebaut. Dies ließ sich aber in beide Richtungen öffnen. In diese Schleusentore waren große Schützen eingearbeitet. Man wollte damit bei komplett geöffneter Schleuse die Wasserströmung unterbinden, damit die Außentore leichter geschlossen werden konnten. Dieses mittlere Torpaar wurde aber später wieder entfernt.

Um die technischen Anlagen zu betreiben, wurde neben der Schleuse ein eigenes Kraftwerk errichtet. Hier befanden sich drei große Dampfmaschinen. Diese Dampfmaschinen trieben mehrere Presswasserpumpen an. Diese wiederum versorgten verschiedene Druckwassermotoren, die dann als Antrieb dienten. Für den Betrieb wurden verschiedene kleine Gebäude errichtet, in denen die Bediensteten ihre verschiedenen Aufgaben wahrnahmen. Der von den Presswasserpumpen erzeugte Wasserdruck wurde in einem Akkumulator gespeichert. Der Akkumulator bestand aus Behältern gefüllt mit Steinen. Der Behälter wurde mit dem von den Dampfmaschinen erzeugten Druck hydraulisch nach oben gedrückt. Potentielle Energie wurde so gespeichert und dann in kinetische Energie umgewandelt, wenn die Druckwassermotoren Energie benötigten.

Die Schleusen im Laufe der Zeit

Nachdem die Schleusen für den Verkehr freigegeben wurden, musste das Betriebspersonal zunächst einige Erfahrungen sammeln. Denn das Schleusen bei Tag und Nacht, sowie der Schiffsverkehr in beide Richtungen mussten bewerkstelligt werden. Eine der ersten wesentlichen Änderungen betraf das Offenhalten der Schleusen. Es zeigte sich, dass bei geöffneten Schleusen die Strömung im Kanal zu stark wurde. Dies erschwerte den Schiffen das Navigieren bei der Kanalpassage.

So wurde 1910 in Kiel ein Entwässerungssiel gebaut. Der stark ansteigende Schiffsverkehr in den ersten Jahren, war Anlass den Kanal weiter auszubauen. Während dieser Maßnahme wurden an beiden Schleusenstandorten jeweils eine weitere, größere Doppelschleuse gebaut. Die jetzt kleinen Schleusen von 1895 blieben aber weiter in Betrieb.

Es folgte eine Zeitspanne mit wenig Maßnahmen. Denn die Jahre der beiden Weltkriege und die Zeit dazwischen, ließen keine Baumaßnahmen zu. Während dieser Jahre ist auch der Kanalverkehr - und die damit verbundenen Schleusungen - zurückgegangen.

In der Vergangenheit wurden die kleinen Schleusen nur während der Sommermonate betrieben. In diesem Zeitraum wurde dann die Sportschifffahrt durch die kleinen Schleusen geführt. Auf diese Weise haben die Sportboote die Berufschifffahrt kaum beeinträchtigt. Heute sind die kleinen Schleusen in Kiel-Holtenau aufgrund baulicher Schäden nicht mehr in Betrieb. Die Kleinen Schleusen Kiel-Holtenau werden grundinstandgesetzt.