Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel

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Inhalt: Die Große Schleuse

Vorgeschichte


Abb. 1: Lageplan der Ostseeschleusen

Schon wenige Jahre nach der Eröffnung des damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanals deutete sich an, dass die Kapazitätsgrenze des Kanals bald erreicht sein würde. Das lag zum einen am enormen Anstieg der Kanalpassagen und zum anderen an den immer größeren Schiffen.Schon 1906 baute die Marine Schiffe, die nicht mehr durch die vorhandenen Schleusen passten. Es wurde daher für die erste Kanalerweiterung neben der Verbreiterung des Kanalquerschnittes und dem Ersatz von Drehbrücken besonderer Wert auf den Bau von größeren Schleusen gelegt. Zunächst wurde überlegt, ob die Möglichkeit besteht, die vorhandenen, kleinen Schleusen zu vergrößern. Dieser Gedankengang wurde dann aber schnell wieder verworfen. Denn es hätte bedeutet, dass während der Baumaßnahme der gesamte Kanal nicht mehr nutzbar gewesen wäre, Weiterhin hätte ein derartiger Umbau enorm viel Geld verschlungen. Es wurde daher schnell klar, dass ein zusätzlicher Neubau die einzig denkbare Lösung war. Auf diese Weise war es möglich einen neue Schleusenanlage zu bauen und trotzdem während der gesamten Bauzeit den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten.

Beschreibung der geplanten Doppelschleuse

Schleusenbauwerk

Nachdem die Entscheidung für größere Schleusenanlagen an beiden Kanalenden gefallen war, mussten die Rahmenbedingungen für diese Bauwerke festgelegt werden. Die Schleusenbauwerke selbst sollten, wie es schon bei den kleinen Schleusen der Fall war, in Kiel und Brunsbüttel identisch ausgelegt sein. Dennoch gabe es kleine bauliche Unterschiede, die aber an dieser Stelle nicht weiter bedeutsam sind.

Zunächst musste entschieden werden, welche Größe die neue Schleusenanlage haben sollte. Dies war zu damaliger Zeit sicherlich mit eine der schwersten Entscheidungen. Denn seit dem Bau der kleinen Schleusen, haben sich die Schiffsgrößen vervielfacht. Da man aber bestrebt war, die neuen Schleusen auch für zukünftige Schiffsgrößen nutzbar zu machen, mussten die zu errichtenden Schleusen erheblich größer werden als die vorhandenen.


Abb. 2: Große Schleusen

Nach reichlicher Überlegung wurde die entgültige Länge einer Schleusenkammer dann auf 330 m festgelegt. Die Breite sollte 45 m betragen und die Tiefe wurde auf 12 m festgelegt. Um auch zukünftig ein schnelles Ein- und Ausschleusen in beide Richtungen zu ermöglichen, wurde auch hier wieder der Einsatz einer parallel angeordneten Doppelschleuse bevorzugt. Mit dieser Bauweise waren auch die Zufahrten von der Kieler Förde und aus dem Nord-Ostsee-Kanal übersichtlich anzuordnen. Mit diesen Maßen waren diese Schleusen in Kiel und Brunsbüttel die weltweit größten Schleusenbauwerke.

Nachdem die Schleusengröße festgelegt war, musste der genaue Standort der beiden Schleusenkammern ermittelt werden. Da sich nördlich der kleinen Schleusen die Gemeinde Holtenau stark vergrößert hatte, konnte nur südlich der vorhandenen Schleuse weitergebaut werden.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu den kleinen Schleusen soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Beim Bau der kleinen Schleusen wurde eine dicke Betonsohle eingebracht, die es ermöglichte, die Schleusenkammern komplett zu leeren. Dies hat man hier nicht gemacht. Das lag zum einen daran, dass die Betonsohle bei dieser Kammergröße sehr dick hätte werden müssen um dem Wasserdruck standzuhalten. Man war man der Meinung, dass diese großen Schleusenkammern nie leergepumpt werden müssen. Denn durch den Einsatz der Schiebetore, gab es keine beweglichen Teile am Bauwerk, die zur Reparatur ein Leerpumpen erforderlich gemacht hätte. 

Schleusentore

Zum Schließen der Schleusenkammern entschied man sich aufgrund der Kammergröße für Schiebetore. Jede Schleusenkammer sollte mit drei Schiebetoren bestückt werden. Zwei dieser Schiebetore wurden an den Enden der Schleusenkammern angeordnet, das dritte Tor kamm dann in der Kammermitte zum Einsatz, so dass die Kammer im Verhältnis 1/3 zu 2/3 verkleinert werden konnte. Dieses dritte Tor sollte zwei Hauptaufgaben erfüllen. Zum einen sollte es den Schleusenmeistern ermöglichen, zum Ein- und Ausschleusen einzelner Schiffe, die Schleusenkammer zu verkürzen und damit die Schleusungsdauer zu reduzieren. Zum anderen diente das dritte Schleusentor als Reservetor im Falle einer Haverie oder Reparatur der Außentore. Ein wesentlicher Vorteil von Schiebetoren liegt darin, dass die Tore im geöffneten Zustand keinen Platz in der Schleusenkammer benötigen, Sie werden komplett in die Tornischen gefahren werden. 

Die Schiebetore sind so konstruiert worden, dass sie schwimmfähig sind. Das erreichte man durch Schwimmkästen, die im unteren Bereich der Schiebetore angeordnet wurden. Diese Schwimmkästen wurden zum Absenken der Tore mit Ballastwasser gefüllt. Soll ein Schiebetor aufgeschwemmt werden, konnte das Ballastwasser mittels Pressluft aus den Schwimmkammern gedrückt werden.

Wasserausgleich

Für den Wasserausgleich sorgten Umlaufkanäle, die jeweils an beiden Seiten der Schleusenkammern angeordnet wurden. Von diesen Umlaufkanälen wurden je 29 Stichkanäle abgezweigt, die in den Schleusenkammern mündeten. Um die Umlaufkanäle zu verschließen, wurden an jedem Umlaufkanal an jedem Schleusenhaupt die sogenannten Schütztafeln eingebaut. Diese Schütztafeln konnten je nach Bedarf geöffnet oder verschlossen werden.

Antriebstechnik

Um die gewaltigen Schiebetore seitlich in die Torkammern zu bewegen, wurde an jedes Tor zwei ca. 50 m lange Zahnstangen montiert. Durch angetrieben Zahnräder wurden die Zahnstangen und damit das gesamte Tor geöffnet bzw. geschlossen.

Der Bau der Schleusen

Wie auch schon beim Bau der kleinen Schleusen, konnte man für diese Baumaßnahme das Grundwasser soweit absenken, dass alle Arbeiten im Trocknen durchgeführt werden konnten. Dies wurde erreicht, indem man auf der gesamten Schleusenfläche mehrere Pumpen verteilte, die das Grundwasser absenkten. Die ständige Überwachung des Grundwasserstandes wurde durch eine Vielzahl von Beobachtungsbrunnen durchgeführt, die ebenfalls nur zu diesem Zweck gebohrt wurden.